STEIGER BLOG

08.03.2010 Monat für Monat…

…gibt es von mir auch was im BoDo zu lesen. Kolumne heißt das. Eigentlich ist es eine Anzeige für einen großen Sozialverband, der aber seit zwei Jahren lieber mich die bezahlte Seite vollschreiben lässt als seine Seniorenheime wiederholt zu loben. Da der Verband nur die Rechte zum Abdruck im Heft hat, kann ich die Texte weiter verwenden. Auch die redaktionellen Beiträge das Straßenmagazins bereiten mir zusehends Vergnügen. Das hat etwas mit dem neuen Chefredakteur, Bastian Pütter, zu tun. BoDo kann ich empfehlen, da es nach dem Ableben von Marabo und dem endgültigen Verblassen von Prinz eine große Lücke im Ruhrgebiets-Journalismus zumindest teilweise füllt.

Hier nun die Steiger-Kolumne März 2010:



Dass mit Hartz IV etwas nicht stimmte, konnte man schon in den ersten Tagen deutlich lesen. Die ARGE, bekanntlich das Arbeitsamt für Arme, begrüßte etwa in Recklinghausen seine Kunden mit der Hinweistafel: „Arbeitsgemeinschaft (ARGE) zur Wahrnehmung der Aufgaben nach dem Sozialgesetzbuch II im Kreis Recklinghausen. Bezirksstelle Recklinghausen, Oer-Erkenschwick, Haltern am See“. Das sind sperrige 154 Zeichen. Niemand erwartet hier moderne, effiziente Verwaltung.

Da ist klar, dass bürokratie-logisch Kinder finanziell als 70-Prozent-Erwachsene verwaltet werden und Säuglingen monatlich 11 Euro neunzig für den Alkohol- und Tabakkonsum zustehen, sie aber keinen Bedarf an Windeln haben.

Nach der Entscheidung des Bundesverfassungsgerichtes ist die Politik eifrig bemüht, zurecht zu wurschteln, was sie einst zusammengeflickt hat. Denn im Mittelpunkt stand nie, was notwendig ist, sondern immer, was der Staat gerade übrig hat für die Betroffenen. Ob es für Bedürftige jetzt mehr Geld gibt? Wenn es sich nicht vermeiden lässt, vielleicht. Vielleicht gibt es aber für junge Arbeitslose schon bald das Hartz IV plus, 359 Euro im Monat plus 200 Frei-SMS. Das gäbe den ARGEn was Cooles. Wie ja auch ein neuer Name für Hartz IV cool wäre, meint die ebenso unwissende wie zuständige Ministerin Ursula von der Leyen. Hartz IV? Frau Ministerin, für Sie immer noch offiziell ALG 2. Der Rest ist Volksmund, und der lässt sich selbigen nicht verbieten.

Die heftige Debatte um die Hartz-IV-Sätze sehe ich immer noch skeptisch. Sie sind nicht skandalöser als es die Sozialhilfe bis 2005 war. Im Gegenteil, an den neuen Leistungen wurde bewusst so lange rumgerechnet, bis sie zufällig den alten entsprachen. Aber Sozialhilfe, das waren immer die anderen, ganz weit weg, ganz weit unten.

 



 

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