02.03.2010 Keine Ahnung, …
… davon aber eine Menge hat der schon-wieder-OB-Kandidat Joachim Pohlmann (z. Zt. CDU). Heute offenbart er dieses Defizit in der Online-Ausgabe der Ruhrnachrichten:
“In Sachen Kultur macht sich Pohlmann Sorgen um die Finanzierung von Dortmunder U und Theater, bricht andererseits aber eine Lanze für die Hochkultur. In diesem Bereich sollten die knappen finanziellen Ressourcen konzentriert werden. Eher kritisch sieht Pohlmann „die Alimentation mittelmäßiger Angebote der so genannten ‚freien Szene‘, sonstiger subkultureller Szenen und Milieus, die es auch in kleineren Nachbarstädten gebe. Nicht zuletzt müsse Ersatz für die Gastronomie- und Kneipenszene vom Thier-Gelände geschaffen werden.”
Abgesehen davon, dass ich lieber barfuß laufe als mir diesen Schuh anzuziehen, ärgert mich dieses Gelaber des Ahnungslosen immens. Sehen wir einmal davon ab, dass es auch in der Hochkultur zuweilen entschlossen mittelmäßig zugehen soll, dass es vergleichbare Angebote in allen Bereich der “Hochkultur” in anderen Städten der Gegend geben soll, dass einzelne Sparten wie Schauspiel, Oper, Ballett, E-Musik, Museen in anderen Städten durchaus schon mal die Leistungen der Dortmunder Hochkultur erreichen, dass die Freie Szene keineswegs “sogenannt” ist, wie ehemals die “sogenannte Deutsche Demokratische Republik” im Weltbild fürchterlicher Politiker, dass ein Unterschied zwischen freier und Hoch-Subventionskultur zwar besteht, diese sich aber längst treffen, mischen und gegenseitig befruchten, vergisst der mittelmäßige Politiker, der im unwahrscheinlichen Fall seiner Wahl zum OB ebenfalls hochalimentiert würde, dass die Ausgaben für die freie Szene nur einen Bruchteil dessen ausmachen, was Pohlmanns Hochkultur verschlingt. Dringend sollte sich der Kandidat noch vor dem Wahltermin einmal eine Übersicht über die Aufgaben einer Kommune machen. Schnell wird er feststellen: Es ist mehr als eine. Dortmund ist keine Monokultur.
Aber wahrscheinlich offenbart sich Pohlmanns Politikverständnis im letzten Satz des Zitats. Neue Kneipen braucht die Stadt! Jawohl, das erwartet der nüchterne Betrachter von moderner Politik: Dass sie um jeden Zapfhahn kämpft. Das Recht auf Rausch muss gerade in der Innenstadt verteidigt werden.
Schönen Gruß
der Steiger